Mehr als nur Mädchen-Musik

Foto by Herbert Zimmermann

Sparen wir uns die Vergleiche mit anderen musikalischen Größen: Heidi Happy klingt nach Heidi Happy!  Eine versierte, vielseitige Musikerin, die nach eigenen Angaben ein „Control Freak“ ist. Die, wenn sie nicht gerade die Folkmusik modernisiert, auch mal musikalisch fremdgeht, ob nun mit GeilerAsDu, Yello oder Zwicker.

 Folk oder Singer-Songwritertum als gängige Genre-Schubladen reichen für eine musikalische Beschreibung von Heidi Happy nicht aus. Die Frau macht mehr, kann mehr und hat privat wunderbarerweise sogar ein Faible für Country-Musik.

Heidi Happy veröffentlicht ihr Album „Hiding With The Wolves“ bei Two Gentleman, einem der besten Label der Schweiz, welches unter Kennern in der Euro-Label-Liga im gleichen Atemzug mit Cityslang oder Excelsior Records genannt wird.

 Was liegt da näher, als sich von Heidi Happy selbst Heidi Happy und auch ein klein wenig die Schweiz erklären zu lassen:

 Wie geht es dem Sedel in Luzern und wie kam es zu der Zusammenarbeit mit GeilerAsDu und zuvor mit Yello?

Heidi Happy Der Sedel ist einer der wenigen noch übrig gebliebenen alternativen Kulturräume Luzerns und ist enorm wichtig für das Kulturgeschehen Luzerns.

GeilerAsDu wollte einen Remix von Who You Are von Zwicker feat. Heidi Happy machen. Sie haben mich dann angefragt, ob das okay wäre und mir eine erste Fassung geschickt, die deutlich langsamer als das Original war. Deshalb wurde mein Gesang verzogen und ich habe entschieden, ihn besser nochmals einzusingen.

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Boris Blank von Yello hat einen Song von mir am Radio gehört und sich daraufhin ganz scheu per E-Mail an mich gewendet und gefragt, ob ich eventuell Interesse hätte, auf ihrem neuen Album zu singen. Er hat mir dann Songskizzen geschickt und ich hab ihm erste Entwürfe meines Gesangs und ein paar Backing Vocals-Vorschläge zurückgeschickt, dann haben wir uns bei Yello im Studio getroffen und die Sachen aufgenommen und Boris hat die Sachen danach nochmals neu arrangiert.

 Welche Musik/Künstler hörst du gerade selber gerne?

Heidi Happy Alte Country-Hits, Nina Simone, Feist und seit Neustem bin ich ein großer Fan von Wallis Bird!

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Wie viel Instrumente spielst du eigentlich und welches von denen liegt dir besonders?

Heidi Happy Besonders liegt mir nur die Stimme. Im Duo spiel ich noch Gitarre, Loop Station, Kinderschlagzeug, Melodika und Glockenspiel. Auf den neuen Aufnahmen und auf Tour mit Stephan Eicher hab ich auch noch Vibraphon gespielt. Und ab und zu spiel ich auch Blockflöte. Ach ja, und früher spielte ich Klavier und Cello.

Du kommst viel rum. Fallen dir Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen deinem deutschen Publikum und dem in anderen Ländern auf?

Heidi Happy Was mir auffällt ist, dass die Leute in jeder Stadt wieder anders sind. Die Deutschen empfinden wir als ein sehr dankbares, wertschätzendes Publikum.

In Deutschland gibt es gerade anlässlich der jüngsten Wahlerfolge der Piraten-Partei eine große öffentliche Debatte zu Themen wie dem Urheberrecht und illegalen Downloads. Wie nimmst du diese Diskussion als Musikerin auf der Durchreise wahr?

Heidi Happy Beim Ausfüllen der GEMA-Liste kommt oft irgendein Kommentar dazu. Wir suchen auch in der Schweiz eine Lösung zu diesem Problem.

In einem Interview auf RegioTV sagst du, dass das deutsche Publikum dich und deine Musik unvoreingenommener wahr nimmt. In der Schweiz dagegen hätten deine Konzertbesucher eher ein Bild von dir vor Augen, wie über dich in den Medien berichtet wird. Was würdest du dir von Journalisten wünschen, wenn sie sich mit deiner Musik bzw. mit dir als Musikerin auseinandersetzen?

Heidi Happy Viel Zeit, und dass sie sich mehr mit meiner Musik als meiner Person auseinandersetzen. Ich würde behaupten, dass meine Musik viel erzählt. Wenn man die Lieder schnell schnell durchzappt, kriegt man die Geschichten nicht mit.


CD: Hiding with Wolves

After her german tour,  Heidi Happy will be playing duo show with Ephrem Lüschinger (keyboards) in Canada and USA.

Canada, Vancouver, The Main, 31.05.2012, Falconnett’s, 01.06.2012.

USA, Portland, Mother Foucault’s Bookshop. 05. 06.2012. Oakland, The Uptwon Nightclub, 08.06.2012. San Francisco, Amnesia Music hall, 10.06.2012. Los Angeles, The Hotel Café, 12.06.2012. San Diego, 98 Bottles, 13.06.2012

Nun fliegt die Hildegard um die Welt – Dank Jazzahead.

Der 36-jährige Berner Stimmakrobat Andreas Schaerer gehört zweifelsohne zu den interessantesten Vocalisten der Schweizer Musikszene. Dessen grosses Talent ist auch dem Meister selbst, Bobby McFerrin, nicht entgangen, mit d

em er am diesjährigen Cully Jazz Festival bereits zum 3. Mal auf der Bühne stand. Sein abwechslungsreiches und vielfältiges musikalisches Schaffen ist ihm ebenso wichtig, wie seine eigene virtuose Jazz Klamauk Band “Hildegard lernt fliegen.”

Mit letzterer trat er vor kurzem an der diesjährigen europäischen Jazz Messe “Jazzahead” auf. Ein Auftritt, der von allen Seiten frenetisch gefeiert wurde und Auslöser für die kommenden Konzerte rund um den Globus war, wie Andreas Schaerer im Interview erklärt:

Dein 30 minütiges Showcase mit Hildegard Lernt Fliegen an der diesjährigen Jazzahead (dem wichtigsten Treffpunkt der europäischen Jazzszene ) wurde vom Publikum frenetisch gefeiert. Die Jazzmesse gilt natürlich vorallem als Sprungbrett um im internationalen Musikmarkt Fuss fassen zu können. Was hat sich daraus ergeben?

Andreas Schaerer Wir arbeiten neu mit F-Cat zusammen, einer sehr renommierten Booking Agentur aus Berlin. Im Herbst sind wir auf in China auf Tour, werden unser Album in Grossbritannien releasen und am London Jazz Festival spielen. Das israelische Red Sea Jazzfestival hat ebenfalls angeklopft und wir haben aber noch einiges im Köcher, was aber zur Zeit noch nicht spruchreif ist. Die Jazzahead hat sich also für uns sehr gelohnt!
So eben ist das 3. Album “Live in Moscow” von Hildergard Lernt Fliegen erschienen. Nach 2 Studio Alben nun schon ein Live Album zu veröffentlichen ist eher ungewönlich. was war eure Idee dahinter?
Andreas Schaerer Nun, diese Band entwickelt Live eine unglaubliche Energie. Eigentlich ist es eher komisch, dass wir zuerst 2 Studio Alben produziert haben und erst dann eine Live Platte. Es war uns schon lange ein Anliegen die Live Qualität dieser Band einzufangen, die Stimmung auf unserer Russland Tour war einmalig und ideal für dieses Unterfangen. Gleichzeitig war es ja auch die Idee Hildegard Lernt Fliegen visuell einzufangen. Darum auch die Zusammenarbeit mit Michelle Brun die zum Film “Tales Wander“ geführt hat. Es ist also nicht “nur” eine Live Platte entstanden sondern eine Art “Gesamtkunstwerk” mit Film und Live Platte und dickem Tourbuch und Plakat. Das ganze wie immer vom “Hofillustratoren” Peter Bäder wundervoll eingepackt.

Nebst deiner eigenen Band leitest du auch das alljähriliche Jazzfestival Jazzwerkstatt Bern, bist Dozent an der Hochschule der Künste Bern und singst noch in diversen anderen Bands u.a. mit den Trio’s Rom Schaerer Eberle und Das Beet, mit denen du momentan auf Tour bist. Wie bringt man das alles unter einen Hut, ohne sich dabei zu verzetteln?

Andreas Schaerer Ich versuche sehr fokussiert zu arbeiten. Planerisch verfolge ich alle Projekte parallel und plane dabei sehr weit in die Zukunft, bis zu 18 Monate im Voraus ist da keine Seltenheit, künstlerisch arbeite ich aber meistens nur an einer „Baustelle“ und lebe sehr im Moment. Ich denke kaum weit voraus und lebe stark im Augenblick. So behalte ich den Fokus.
Ich plane ausserdem bewusst immer wieder Ruhephasen ein, in denen ich gar nichts mache ausser meine Familie zu geniessen und mit meinem dreijährigen Sohn Levin zu jammen – was übrigens eines der spannensten Duoprojekte ist in welches ich z.Zt involviert bin.

Kürzlich standest du im Rahmen des Cully Jazz Festivals bereits zum 3. Mal mit Bobby McFerrin auf der Bühne. Mit wem würde es dich ebenfalls reizen mal zu performen und weshalb?
Andreas Schaerer Am diesjährigen Cully Jazz hat mich Bobby für ein Duo eingeladen. Das war eine sehr schöne Erfahrung und musikalisch richtig fett! Es würde mich sehr freuen in Zukunft mal einen ganzen Gig im Duo mit Bobby zu spielen. Andere Träumereien, wären, dass Pierre Boulez mal eine Komposition von mir dirigieren würde, es würde mich dabei vor allem interessieren, was passiert wenn ein solcher Meister meine Musik auf einen Klangkörper übersetzt. Ist vielleicht etwas hoch gegriffen, aber man weiss ja nie.

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Was steht als nächstes bei dir an und worauf freust du dich ganz besonders?

Andreas Schaerer Im Moment freue ich mich vor allem darauf, einen relativ entspannten Sommer vor mir zu haben. Es gibt richtig Urlaub ohne Internet und mit schlechtem Handyempfang – wunderbar. Musikalisch freue mich sehr darauf ab dem Herbst mit einer Auftragskomposition für das ARTE Quartett anzufangen und mit HLF im Oktober in China auf Tour zu gehen. Daneben gibt’s immer wieder kleine Leckerein. So bin ich mit Bänz Oester gerade unsere zweite CD am fertig mischen – wird ein absoluter Kontrapunkt zu meinen anderen Projekten,habe die holländische Band “the Ploctones” für 3 Gigs in die Schweiz eingeladen, bin mit Rom-Schaerer-Eberle im herbstlichen Paris, demnächst beginnen wir mit der Programmplanung für die Jazzwerkstatt 2013 … es gibt wirklich ein paar wunderschöne “Schmankerl” auf die ich mich sehr freue.

Grégoire Maret Quartet at Jazz Standard in New York

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Herbie Hancock once called Grégoire Maret “one of the most creative musicians  around”. The Geneva-born harmonica sensation lived up to his reputation last week at Jazz Standard, one of the best venues for jazz In New York. He took the stage with his band for a series of 8 shows between May 3rd and May 6th to present his long anticipated self-titled debut album, after spending the past 10 years playing virtually every musical style with many different artists such Pat Metheny, Youssou N’Dour or George Benson.

On May 4th, Grégoire Maret joked on stage about an album, which has been “extremely long to accomplish” . But this sleek musical journey, on which he is joined by harmonica legend Toots Thielemans for a beautiful cover of Ivan Lins’ “O Amor E o Meu Pais”, was definitely worth the wait. With the impeccable support of Frederico Gonzales Peña on piano, an artist he calls his “brother from another mom”, the sytlish Clarence Penn on drums percussions, and the extremely talented Ben Williams on bass, Grégoire Maret offers a modern mix of jazz, soul, blues, pop and Brazilian sounds.

He opened up the show with the percussion-driven Crepuscule Suite, in which his passionate and physical harmonica solos set the tone of the performance. His duet with Frederico Gonzales Peña on “My Loved Ones” was a moment of sheer magic. The Swiss artist was then joined on stage by Raul Midon, a blind guitarist known among other talents for his velvet voice and vocal mouth trumpet sounds. Midon, who worked with Sharika, Stevie Wonder and Little Louie Vega, makes a cameo appearance  alongside Cassandra Wilson on Maret’s album.

At Jazz Standard, Raul Midon provided the vocals for an inspired cover of “The Secret Life of Plants” by Stevie Wonder. On the atmospheric Manha du Sol, he echoed Maret’s harmonica with his vocal mouth trumpet sounds before a sublime finale that lit up the stage and galavanized the crowd. That night, Grégoire Maret powerfully proved once more that the underutilized harmonica can be one of the most beautiful instruments in jazz.

Tim and Puma Mimi at XPO 929 in Brooklyn

If you are looking for Brooklyn’s underground scene, go to Bushwick . You will find plenty of artists, photographers, rehearsal spaces in old industrial buildings and venues like Xpo 929, where Tim and Puma Mimi performed on Friday night. The electro duo from Zurich is in New York to shoot a video for its upcoming album – The Stone Collection of Tim and Puma Mimi – to be realeased on May 11 in Switzerland (on Mouthwatering records). The band took the opportunity to add a few shows to the trip, including one at Pianos, a well-known venue in the Lower East Side of Manhattan, and one in Philadelphia.

Tim and Puma Mimi’s gig at Xpo 929 was a typical New York rock’n roll experience. They found in Bushwick a mostly empty and dark space filled with the lone members from other bands on the lineup and a few post-punk girls with heavy black eyeliner as well a passionate sound engineer pushing up the volume to make up for the pretty bad acoustics. But the duo – Tim (Christian Fischer) and Puma Mimi (Michiko Hanawa) – joined by Swiss drummer Georg Bleikolm from Lausanne stood out with its elaborate mix of electro and rock, English, Japanese and even French lyrics in “Belleville Rendez-vous”, one of the tracks on its new record.

Tim and Puma Mimi performed new material including Q-Cumber, a track on which Tim uses a cucumber to make weird electronic sounds. Tim’s flute solos and Mimi’s frantic dance moves made the 30-minute show all the more interesting. – Jean-Cosme Delaloye

77 Bombay Street à la conquête de la France

Pour 77 Bombay Street, se présenter aux Trois Baudets, petite salle parisienne historique, c’est un retour à la case départ, ou presque. En Suisse, la fratrie a déjà tout raflé, avec deux prix aux Swiss Music Awards et 80 000 exemplaires vendus de leur premier album aux jolies rengaines pop folk, “Up in The Sky”. Ici, devant une salle majoritairement assise, pour leur premier concert en France, Matt, Joe, Esra et Simri Ramon Buchli ne savent pas à quoi s’attendre et montrent même quelques signes de nervosité. Pas grand-chose, juste quelques tics d’autocontrôle, assez loin de leur énergie communicative. « Tout ce que nous pouvons nous dire, avouera Matt quelques jours plus tard, c’est que nous accomplissons l’un de nos objectifs : jouer partout où nous pouvons, quelques soient les conditions ».

Mais les apprentis voyageurs, dont le nom de groupe vient justement de l’adresse de leur maison à Adélaïde, où ils se sont expatriés au début des années 2000, n’avaient pas besoin de faire les modestes : à leur grande surprise, une partie non négligeable du public connaissait déjà les paroles de leurs tubes  et ont communié dans l’ironie amusante de « I Love Lady Gaga ». Au bout de quelques chansons, tous les spectateurs des Trois Baudets se sont levés. Comme s’ils prenaient au pied de la lettre les paroles du morceau « Up in the Sky » – une fiction où un personnage malade prend de la hauteur pour admirer la beauté du monde. Ou comme s’ils étaient tout simplement conquis par les harmonies vocales d’un quatuor à l’extraordinaire complicité : dès le plus jeune âge, les parents des quatre frères les ont poussés à chanter et à jouer ensemble, et cela se ressent comme une évidence.

Au final, ce sont des applaudissements nourris qui concluront leur tout premier set en France, à la grande joie de Matt : « Au départ, nous étions contents de gagner un peu d’argent en jouant dans les parcs. Maintenant nous jouons à Paris et c’est le public qui est ravi : c’est très excitant de pouvoir faire évoluer notre carrière, même si la compétition entre les groupes est rude en Europe. »  Pour continuer leur conquête de l’Hexagone, les quatre frères doivent encore séduire un autre public : les professionnels du spectacle et les journalistes présents au Printemps de Bourges, l’un des plus grands « marchés » du concert, à quelques jours de la sortie de leur CD sur le territoire français. – Timothée Barrière

77th Bombay Street,“Up In The Sky” sortie digitale en France le 23.04.2012. Sortie du CD en France le 14.05.2012 (Label The Freed). Sortie du CD en Allemagne le 27.04.2012.