Elina Duni, eine Heimat so nah und doch so fern

Das neue Album “Matanë Malit” (ECM/Harmonia Mundi) der schweiz/albanischen Musikerin und Sängerin Elina Duni ist eine Hommage an die albanische Poesie und deren Lieder. Sie nimmt uns dabei mit auf eine wunderschöne Reise in ein fernes Land, dessen Klänge uns wehmütig stimmen und ergreiffen vom ersten bis zum letzten Ton.

Im Gegensatz zu deinen früheren Alben “Baresha” und “Lume Lume”, singst du auf “Matanë Malit” ausschliesslich albanisch. was bedeutet es für dich, als Sängerin, die davor vorwiegend englische Texte interpretiert hat, in deiner Muttersprache zu singen?

Eina Duni Albanisch zu singen ist für mich sehr speziell und auch sehr interessant. Bis ich 10 Jahre alt war habe ich in Albanien gelebt, danach bin ich in die Schweiz ausgewandert, wo ich lange Zeit in Genf wohnte. Ich bin also zum einen mit der albanischen Tradition, wie zum anderen mit der westlichen Musiktradition, dem Jazz, der Klassischen Musik usw. aufgewachsen. Das führte auch oft dazu, dass ich noch nicht genau wusste, wo mein Platz ist. Dies änderte sich aber, als ich begann diese beiden Welten zusammenzuführen, in dem ich die albanischen Texte mit meinen musikalischen Einflüssen kombinierte. Aufeinmal fühlte sich alles viel klarer an. Eine Erfahrung, die mich in meinem musikalischen Schaffen sehr bereichert hat, auch wenn ich mich in Zukunft nicht nur auf mein albanisch beschränken möchte.

“Matanë Malit” heisst auf Deutsch “Jenseits der Berge”. Ein Albumtitel in Bezug auf deine Heimat, so nah und doch so fern?

Elina Duni Das Album ist für mich tatsächlich eine Reise in die Ferne, die mir aber auch sehr vertraut ist. Gleichzeitig bezieht sich “Matanë Malit” aber auch auf die Standorte meiner beiden Heimatländer. Egal ob du von der Schweiz oder Albanien aus schaust, die Länder liegen immer Jenseits der Berge. Der Albumtitel bezieht sich aber auch auf das westliche Publikum. Die Texte handeln alle von universellen Themen, wie z.b. der Liebe, dem Tod, Freiheit. Themen die uns alle beschäftigen. Auch die Musik empfinde ich als sehr universell. Es sind also Stücke, die uns hier zwar fern sind, aber im Grunde genommen sehr vertraut.

Mit deinem neuen Album hast du dich musikalisch noch tiefer mit der Geschichte Albaniens auseinander gesetzt. Während du dich vorher noch in eher gewohnten Jazz/Balkanischen Klängen bewegt hast und dich schritt für schritt an den Fundus der balkanischen Folklore herangewagt hast, klingt “Matanë Malit” wie das Ergebnis einer langen Reise durch verschiedenste Einflüsse, die dich geprägt haben. Inwiefern unterscheidet sich für dich “Matanë Malit” von deinen anderen beiden Alben?

Elina Duni Wir sind an dieses Album ganz anders herangegangen als noch bei den letzten beiden. In unserem Zusammenspiel sind wir viel klarer geworden. Auch der Umgang mit den Klangfarben ist uns viel bewusster geworden. Ganz nach dem Motto “weniger ist mehr” haben wir es geschafft, der Musik diese Tiefe zu geben, in dem wir die Spannung viel ausgeglichener gestaltet haben. Im Vergleich zu “Lume Lume” klingt “Matanë Malit” reifer. Auch habe ich zu den traditionellen Stücken die wir umarrangiert haben, noch zwei eigene Stücke komponiert, was eine spannende Herausforderung für mich war. Zusammen mit meiner Band (Colin Vallon Piano, Norbert Pfammatter Drums, Patrice Moret Bass) und diesen zwei völlig verschiedenen kulturellen Einflüssen, ist dieses Album entstanden. Hätte ich nur in Albanien gelebt, würde meine Musik mit Sicherheit ganz anders klingen. Auf Metane Malit wollte ich die Aspekte der albanischen Poesie mit der traditionellen albanischen Folklore zusammenbringen. Es ist eine Hommage an die albanischen Dichter.

“Matanë Malit” ist am 21. September auf dem berühmten deutschen Jazz Label ECM veröffentlicht worden. Dein erstes ECM Album. Wie hast du die Arbeit mit dem Gründer und Produzenten des traditionsreichen Labels, Manfred Eicher erlebt?

Elina Duni Die Zusammenarbeit mit Manfred Eicher war sehr befruchtend. Er hatte die genau gleichen Vorstellungen wie wir. Von Anfang an war er von unserer Musik begeistert. Auch er wollte ein Album, welches nicht den einzelnen Musiker hervorhebt, sondern immer das Stück im Vordergrund steht. Es gibt also praktisch keine Jazzsoli im herkömmlichen Sinne, improvisiert wird im Kollektiv und immer mit dem Bewusstsein, dass das Stück an oberster Stelle steht. Mich hat Manfred auch stark beeindruckt mit welcher Euphorie er nach über 2000 produzierten Platten und über 40 Jahre Labelarbeit er noch an die Dinge herangeht und sich freuen kann wie ein kleines Kind. Er hat eine unglaubliche Weitsicht und war immer zur Stelle mit guten Ideen, wenn wir uns mal verloren haben.

Mit deiner Band und auch als Musikerin in anderen Projekten bist du ständig unterwegs und viel im Ausland. Seit Jahren wohnst du aber in der Schweiz. Fühlst du dich hier heimisch?

Elina Duni   Ja, ganz klar. ich fühle mich sehr wohl hier in Bern. Mir gefällt das kultivierte und offene Volk. Und auch wenn ich die grossen Städte im Ausland liebe, könnte ich dort nicht leben. Die Schweiz ist mein Zuhause.

Elina Duni, “Matanë Malit” (ECM)

Webpage und Tourdaten Elina Duni elinaduni.com

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Tim and Puma Mimi

Presseschau: Tim & Puma Mimi – Die Gurken, Skype Band aus Zürich und Tokio

Am 11. Mai 2012 ist das neue Album “The Stone Collection Of” des Schweiz/Japanischen Electro Duo’s “Tim & Puma Mimi” auf dem Berner Label Mouthwatering Records/Irascible erschienen. Die Presse war entzückt, ja nahezu begeistert über deren bereits 2. Album. Eine Presseschau zum neuen Album.

“Gurken-Techno”

Christian Fischer und seine Frau Michiko Hanawa machen auf jede erdenkliche Art elektronische Musik.
Mal mit Hackbrett, mal mit Stromkabeln – und manchmal auch mit Gemüse.

«Bei uns funktionierte das Musikmachen von Anfang an», sagt Christian Fischer alias Tim. Als sie sich vor acht Jahren das erste Mal vor den Laptop setzten, um zu musizieren, produzierten sie innert weniger Tage vier Stücke. Diese kamen in der Elektropop-Szene derart gut an, dass das frisch gebackene Duo gleich in diverse angesagte Clubs im In- und nahen Ausland gebucht wurde. Egal, wie abgefahren Tims Ideen sind, seine Frau Mimi ist dabei. So elektrifizieren sich die beiden derzeit, um für ihre Musik schräge Töne zu produzieren. Aktuell erforscht Fischer mit seinem Wundergerät noch den Klang der Gurke. «Solange ein Gegenstand leitet, kann ich damit Klänge erzeugen und Eine Gurke eignet sich dafür sehr gut….», sagt der 35-Jährige….(Quelle: Tages Anzeiger 10.05.12)

Der Artikel ist auch eine liebevoll und charmante Anspielung an ihr “I feel Gurk” Video, bei dem sie die Melodie des berühmten Klassikers von James Brown “I feel good” auf einer Gurke nachspielen.

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Von einer Japanischen Pop-Inszenierung redet die Neue Zürcher Zeitung und meint weiter:

«Das Rezept funktioniert: Japansiche Sprechgesänge und Girlie-Melodien interagieren mit knackiger Elektronika, tiefen Bass-Beats und einem Schuss Indie-Rock. Quere Klavier-Passagen, Steeldrum-Klänge, eine Querflöte und und ein Hackbrett spielen dazwischen. Musikalische Vielfalt und Direktheit passen zum Zeitgeist, die kunstvollen Videoclips und Pressefotos auch. Ein stimmiges Gesamtprodukt» (Quelle: Neue Zürcher Zeitung 11.05.12)

Die Aargauer Zeitung wertet das neue Album sogar mit 5 von 5 Sternchen und vergleicht dabei deren Musik mit Japan’s Kultur:

«Sämtliche Kulturen tun seit hundert Jahren dasselbe: Sie schlucken nach und nach die Elemente
der westlichen Kultur und verdauen sie halbwegs in ihrem Bauch. Japan hat sich dem Westen aber nur äusserlich unterworfen und sich seine eigene, hochraffinierte Version von Technologie und Modernität geschaffen. Wer mit Japan zu tun hat, wird umgehend in eine Art Spiel verwickelt…genau wie bei Tim & Puma Mimi, super Freaky!» (Quelle: Aargauer Zeitung 12.05.12)

Der Bund nimmt in seinem Artikel die kulturellen Unterschiede ebenfalls auf und meint:

«Ja, wenn die Welt ein globales Dorf ist, dann sitzen Michiko Hanawa und Christian Fischer von Tim & Puma Mimi im Ältestenrat. Denn so spielerisch, wie sie mit geografischen Grenzen umgegangen sind, übertölpeln sie auch musikalische
Gedankenschranken. Zwischen den beiden funkts, wenn auch nicht gleich musikalisch. Michiko findet Christians Musik zu düster, «da muss mehr Fröhlichkeit rein», sagt sie. Und er, der Melancholikerhymnen wie jenen von Portishead verfallen ist, denkt: Um Himmels willen, fröhliche Musik, da landet man entweder beim Schlager oder beim Halligalli. Also nimmt er sich vor, das Schelmenstück zu bewältigen und Michiko mit glücklich machenden Stücken zu beliefern, die zwar gut gelaunt, aber immer noch hintergründig klingen.» (Quelle: der Bund)

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Tim & Puma Mimi Live:

  • 14.07.2012 / Gurtenfestival Waldbühne, Bern
  • 11.08.2012 / Palp Festival, Martigny
  • 28.08.2012 / Kaufleuten, Zürich

Album anhören
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cede.ch
Tim & Puma Mimi

Pop-Plausch mit Yello auf der C/O Pop

Die Musikindustrie ist eine reaktionäre Industrie, die sich selber das Grab geschaufelt hat, in dem sie heute bis zur Brust drin stehen“ lautete eines der Bonmots, die Dieter Meier von Yello anlässlich eines Live-Interviews im Rahmen des Konferenzprogramms der C’n’B, dem Branchenmeeting der Musikmesse C/O Pop in Köln am 22. Juni zum Besten gab.

Das Duo Dieter Meier und Boris Blank des Schweizer Elektro-Ensemble Yello firmierten sozusagen als Stargäste der Fachtagung C’n’B und plauderten vorm Fachpublikum über ihre musikalische Zusammenarbeit, über persönliches, aber auch über geschäftliches.

Kurzweilig geriet das Fachgespräch, das von dem Journalisten Ralf Niemzyck moderiert wurde und der offensichtlich auch die richtigen Fragen zu stellen wusste, die es wahlweise Meier & Blank ermöglichten, sich als Pop-Philosophen zu profilieren. So bekannte beispielsweise Meier, dass das Geheimnis von Yello im Sinne des jüdischen Wanderprediger von Nazareth sei, der irgendwann gesagt haben soll „werdet wieder Kinder“, welches gleichzeitig auch das lebenslange Credo des Duos ist.

Meier, einst auch im Kunstbetrieb unterwegs, befand mit Verweis auf die „hypokrite Welt des Kunstvölkchen“, Kunst sei für ihn ungesund, während Blank ergänzte, er sei keineswegs der „Kunstflüsterer“ von Meier.

Meier wiederum bescheinigte Blank, dass wenn er komponiere bzw. Musik produziere, es sich dabei um einen „dialektischen Prozess“ handele, was wiederum von Blank bestätigt wurde, angereichert um die Zusatzinformation, er nehme dabei die Rolle eines Eremiten ein.

Bereits zuvor machte Meier gegenüber Blank Komplimente wie das, dass dieser dreißig Mal mehr für Yello arbeiten würde als er selbst. Eine Vorlage, welche Blank dankend annahm und hinzufügte, dass er sich bei seiner Arbeitsdauer regelrecht disziplinieren müsse, damit das Qualitätsniveau nicht leidet.

Für sein musikalisches Schaffen von Yello nehme Blank viel Geräusche auf und recycle gelegentlich sogar Repertoire-Restposten aus dem Popfundus der Band. Fast ganz nebenbei zückte Blank sein Mobiltelefon und stellte nonchalant das neue Yello-File-App vor, mit dem es möglich sei, Geräusche mittels eines „Sound-Randomnizer“ zu „yellofizieren“.  Eine Applikation, die es jedermann ermöglicht, aus Geräuschfetzen jedweder Art Retorten-Pop zum Sofortgebrauch zu erzeugen. Die Vorführung wurde seitens des Publikums sogleich mit Szenen-Applaus bedacht. Blank merkte an, dass jenes App auch Bestandteil der neuen CD sein werde. Die Frage, ob Blank auch ein Technologie-Jäger sei, beantworte er damit, dass er anstelle von Bandschleifen heute mit Plug-Ins arbeite.

In Sachen verbalen Product-Placements empfahl Meier noch die Rudermaschine „Concept2“. Heraus kam obendrein, dass Meier fürs geschäftliche bei Yello zuständig sei und anknüpfend an die mutmaßlichen Versäumnisse der Plattenfirmen entwarf er ganz nebenbei noch das Szenario für die Labels der Zukunft, indem er befand: „Ich glaube, dass die sogenannten Plattenfirmen natürlich keine Plattenfirmen mehr sein werden, aber sicher eine unglaublich wichtige Aufgabe haben, nämlich das ganze A&R, das hinausgehen und sich Künstler anhört und Künstler auch begleitet, die es oft brauchen, andere brauchen es hingegen nicht. Auch ein Management, das den Künstler beschützt vor all diesen schwierigen Aufgaben, die ihm nicht liegen. Es wird alles dort bleiben und wenn die Industrie sich darauf besinnt, was sie eigentlich ist, dass sie immer dafür verantwortlich war, einen hoffentlich wunderbaren Content herzustellen und zu begleiten. Dann wird mit anderen Transportvehikeln nämlich dem geordneten Internet wird die sogenannte Plattenfirma die genau gleiche Aufgabe haben, die sie immer gehabt hat.“

Eine nette Einschätzung, die aber auch ein wenig etwas von Elfenbeinturm-Philosophie hat, denn die Zeiten haben sich radikal geändert. Ja, Plattenfirmen haben es anfänglich versäumt das Internet für den Vertrieb von Musik zu nutzen, aber heutzutage gibt es jede Menge legaler Online-Musikdienste und dennoch ist die Anteil derer, die immer noch Musik auf zwielichtigen Online-Plattformen unentgeltlich runterladen ungleich größer als der Anteil derer, die für legale Angebote zahlen.  Dieser Umstand betrifft große wie auch kleine Plattenfirmen.

Hinzu kommt, wie Meier zuvor zu recht anführte, dass die Musikbranche wirtschaftlich eine vergleichsweise kleine Branche ist. Und genau dieses Größenverhältnis spielt auch gegenüber den wirtschaftlich weitaus mächtigeren Konzernen wie Apple, Google, Deutsche Telekom oder Vodafone, um nur einige zu nennen und für die Musik bestenfalls schmückendes Beiwerk ist, bei fast allen Vergütungsdiskussionen eine entscheidende Rolle.

Nur zum Beispiel, hinsichtlich der Vergütung von Musik auf iTunes für Labels oder Künstler, gelten im Hause Apple die gleichen Manager-Methoden mit denen der Konzern aufgrund der menschenverachtenden Arbeitsbedingungen der chinesische Wanderarbeiter bei seinem Zulieferer Foxconn in die Schlagzeilen kam. Apple hat Labels mit Einführung von iTunes die Preise diktiert und Dieter Meier wird spätestens bei Durchsicht seiner Abrechungen von Spotify, Napster oder sonstiger legaler Online-Plattformen ein Gefühl bekommen, wie sich ein besagter chinesischer Wanderarbeiter fühlt, wenn er am Monatsende seinen Lohn bekommt und in den Nachrichten erfährt, dass Apple über ein Barvermögen von über 100 Milliarden US-Dollar verfügt… Yello führte bei seiner Stippvisite auf der  C/O Pop die virtuelle Konzertperformance „Touch Yello“ im Rahmen der von der Telekom gesponserten Konzertreihe „Electronic Beats“ auf. Und Sponsoring-Engagements werden bekanntlich deutlich besser honoriert, als dies der eine oder andere Global Player in welchem Wirtschaftszweig auch immer, egal ob in Bangladesh oder in Hintertupfingen, gemeinhin zu tun pflegt.

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Mehr als nur Mädchen-Musik

Foto by Herbert Zimmermann

Sparen wir uns die Vergleiche mit anderen musikalischen Größen: Heidi Happy klingt nach Heidi Happy!  Eine versierte, vielseitige Musikerin, die nach eigenen Angaben ein „Control Freak“ ist. Die, wenn sie nicht gerade die Folkmusik modernisiert, auch mal musikalisch fremdgeht, ob nun mit GeilerAsDu, Yello oder Zwicker.

 Folk oder Singer-Songwritertum als gängige Genre-Schubladen reichen für eine musikalische Beschreibung von Heidi Happy nicht aus. Die Frau macht mehr, kann mehr und hat privat wunderbarerweise sogar ein Faible für Country-Musik.

Heidi Happy veröffentlicht ihr Album „Hiding With The Wolves“ bei Two Gentleman, einem der besten Label der Schweiz, welches unter Kennern in der Euro-Label-Liga im gleichen Atemzug mit Cityslang oder Excelsior Records genannt wird.

 Was liegt da näher, als sich von Heidi Happy selbst Heidi Happy und auch ein klein wenig die Schweiz erklären zu lassen:

 Wie geht es dem Sedel in Luzern und wie kam es zu der Zusammenarbeit mit GeilerAsDu und zuvor mit Yello?

Heidi Happy Der Sedel ist einer der wenigen noch übrig gebliebenen alternativen Kulturräume Luzerns und ist enorm wichtig für das Kulturgeschehen Luzerns.

GeilerAsDu wollte einen Remix von Who You Are von Zwicker feat. Heidi Happy machen. Sie haben mich dann angefragt, ob das okay wäre und mir eine erste Fassung geschickt, die deutlich langsamer als das Original war. Deshalb wurde mein Gesang verzogen und ich habe entschieden, ihn besser nochmals einzusingen.

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Boris Blank von Yello hat einen Song von mir am Radio gehört und sich daraufhin ganz scheu per E-Mail an mich gewendet und gefragt, ob ich eventuell Interesse hätte, auf ihrem neuen Album zu singen. Er hat mir dann Songskizzen geschickt und ich hab ihm erste Entwürfe meines Gesangs und ein paar Backing Vocals-Vorschläge zurückgeschickt, dann haben wir uns bei Yello im Studio getroffen und die Sachen aufgenommen und Boris hat die Sachen danach nochmals neu arrangiert.

 Welche Musik/Künstler hörst du gerade selber gerne?

Heidi Happy Alte Country-Hits, Nina Simone, Feist und seit Neustem bin ich ein großer Fan von Wallis Bird!

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Wie viel Instrumente spielst du eigentlich und welches von denen liegt dir besonders?

Heidi Happy Besonders liegt mir nur die Stimme. Im Duo spiel ich noch Gitarre, Loop Station, Kinderschlagzeug, Melodika und Glockenspiel. Auf den neuen Aufnahmen und auf Tour mit Stephan Eicher hab ich auch noch Vibraphon gespielt. Und ab und zu spiel ich auch Blockflöte. Ach ja, und früher spielte ich Klavier und Cello.

Du kommst viel rum. Fallen dir Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen deinem deutschen Publikum und dem in anderen Ländern auf?

Heidi Happy Was mir auffällt ist, dass die Leute in jeder Stadt wieder anders sind. Die Deutschen empfinden wir als ein sehr dankbares, wertschätzendes Publikum.

In Deutschland gibt es gerade anlässlich der jüngsten Wahlerfolge der Piraten-Partei eine große öffentliche Debatte zu Themen wie dem Urheberrecht und illegalen Downloads. Wie nimmst du diese Diskussion als Musikerin auf der Durchreise wahr?

Heidi Happy Beim Ausfüllen der GEMA-Liste kommt oft irgendein Kommentar dazu. Wir suchen auch in der Schweiz eine Lösung zu diesem Problem.

In einem Interview auf RegioTV sagst du, dass das deutsche Publikum dich und deine Musik unvoreingenommener wahr nimmt. In der Schweiz dagegen hätten deine Konzertbesucher eher ein Bild von dir vor Augen, wie über dich in den Medien berichtet wird. Was würdest du dir von Journalisten wünschen, wenn sie sich mit deiner Musik bzw. mit dir als Musikerin auseinandersetzen?

Heidi Happy Viel Zeit, und dass sie sich mehr mit meiner Musik als meiner Person auseinandersetzen. Ich würde behaupten, dass meine Musik viel erzählt. Wenn man die Lieder schnell schnell durchzappt, kriegt man die Geschichten nicht mit.


CD: Hiding with Wolves

After her german tour,  Heidi Happy will be playing duo show with Ephrem Lüschinger (keyboards) in Canada and USA.

Canada, Vancouver, The Main, 31.05.2012, Falconnett’s, 01.06.2012.

USA, Portland, Mother Foucault’s Bookshop. 05. 06.2012. Oakland, The Uptwon Nightclub, 08.06.2012. San Francisco, Amnesia Music hall, 10.06.2012. Los Angeles, The Hotel Café, 12.06.2012. San Diego, 98 Bottles, 13.06.2012

Nun fliegt die Hildegard um die Welt – Dank Jazzahead.

Der 36-jährige Berner Stimmakrobat Andreas Schaerer gehört zweifelsohne zu den interessantesten Vocalisten der Schweizer Musikszene. Dessen grosses Talent ist auch dem Meister selbst, Bobby McFerrin, nicht entgangen, mit d

em er am diesjährigen Cully Jazz Festival bereits zum 3. Mal auf der Bühne stand. Sein abwechslungsreiches und vielfältiges musikalisches Schaffen ist ihm ebenso wichtig, wie seine eigene virtuose Jazz Klamauk Band “Hildegard lernt fliegen.”

Mit letzterer trat er vor kurzem an der diesjährigen europäischen Jazz Messe “Jazzahead” auf. Ein Auftritt, der von allen Seiten frenetisch gefeiert wurde und Auslöser für die kommenden Konzerte rund um den Globus war, wie Andreas Schaerer im Interview erklärt:

Dein 30 minütiges Showcase mit Hildegard Lernt Fliegen an der diesjährigen Jazzahead (dem wichtigsten Treffpunkt der europäischen Jazzszene ) wurde vom Publikum frenetisch gefeiert. Die Jazzmesse gilt natürlich vorallem als Sprungbrett um im internationalen Musikmarkt Fuss fassen zu können. Was hat sich daraus ergeben?

Andreas Schaerer Wir arbeiten neu mit F-Cat zusammen, einer sehr renommierten Booking Agentur aus Berlin. Im Herbst sind wir auf in China auf Tour, werden unser Album in Grossbritannien releasen und am London Jazz Festival spielen. Das israelische Red Sea Jazzfestival hat ebenfalls angeklopft und wir haben aber noch einiges im Köcher, was aber zur Zeit noch nicht spruchreif ist. Die Jazzahead hat sich also für uns sehr gelohnt!
So eben ist das 3. Album “Live in Moscow” von Hildergard Lernt Fliegen erschienen. Nach 2 Studio Alben nun schon ein Live Album zu veröffentlichen ist eher ungewönlich. was war eure Idee dahinter?
Andreas Schaerer Nun, diese Band entwickelt Live eine unglaubliche Energie. Eigentlich ist es eher komisch, dass wir zuerst 2 Studio Alben produziert haben und erst dann eine Live Platte. Es war uns schon lange ein Anliegen die Live Qualität dieser Band einzufangen, die Stimmung auf unserer Russland Tour war einmalig und ideal für dieses Unterfangen. Gleichzeitig war es ja auch die Idee Hildegard Lernt Fliegen visuell einzufangen. Darum auch die Zusammenarbeit mit Michelle Brun die zum Film “Tales Wander“ geführt hat. Es ist also nicht “nur” eine Live Platte entstanden sondern eine Art “Gesamtkunstwerk” mit Film und Live Platte und dickem Tourbuch und Plakat. Das ganze wie immer vom “Hofillustratoren” Peter Bäder wundervoll eingepackt.

Nebst deiner eigenen Band leitest du auch das alljähriliche Jazzfestival Jazzwerkstatt Bern, bist Dozent an der Hochschule der Künste Bern und singst noch in diversen anderen Bands u.a. mit den Trio’s Rom Schaerer Eberle und Das Beet, mit denen du momentan auf Tour bist. Wie bringt man das alles unter einen Hut, ohne sich dabei zu verzetteln?

Andreas Schaerer Ich versuche sehr fokussiert zu arbeiten. Planerisch verfolge ich alle Projekte parallel und plane dabei sehr weit in die Zukunft, bis zu 18 Monate im Voraus ist da keine Seltenheit, künstlerisch arbeite ich aber meistens nur an einer „Baustelle“ und lebe sehr im Moment. Ich denke kaum weit voraus und lebe stark im Augenblick. So behalte ich den Fokus.
Ich plane ausserdem bewusst immer wieder Ruhephasen ein, in denen ich gar nichts mache ausser meine Familie zu geniessen und mit meinem dreijährigen Sohn Levin zu jammen – was übrigens eines der spannensten Duoprojekte ist in welches ich z.Zt involviert bin.

Kürzlich standest du im Rahmen des Cully Jazz Festivals bereits zum 3. Mal mit Bobby McFerrin auf der Bühne. Mit wem würde es dich ebenfalls reizen mal zu performen und weshalb?
Andreas Schaerer Am diesjährigen Cully Jazz hat mich Bobby für ein Duo eingeladen. Das war eine sehr schöne Erfahrung und musikalisch richtig fett! Es würde mich sehr freuen in Zukunft mal einen ganzen Gig im Duo mit Bobby zu spielen. Andere Träumereien, wären, dass Pierre Boulez mal eine Komposition von mir dirigieren würde, es würde mich dabei vor allem interessieren, was passiert wenn ein solcher Meister meine Musik auf einen Klangkörper übersetzt. Ist vielleicht etwas hoch gegriffen, aber man weiss ja nie.

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Was steht als nächstes bei dir an und worauf freust du dich ganz besonders?

Andreas Schaerer Im Moment freue ich mich vor allem darauf, einen relativ entspannten Sommer vor mir zu haben. Es gibt richtig Urlaub ohne Internet und mit schlechtem Handyempfang – wunderbar. Musikalisch freue mich sehr darauf ab dem Herbst mit einer Auftragskomposition für das ARTE Quartett anzufangen und mit HLF im Oktober in China auf Tour zu gehen. Daneben gibt’s immer wieder kleine Leckerein. So bin ich mit Bänz Oester gerade unsere zweite CD am fertig mischen – wird ein absoluter Kontrapunkt zu meinen anderen Projekten,habe die holländische Band “the Ploctones” für 3 Gigs in die Schweiz eingeladen, bin mit Rom-Schaerer-Eberle im herbstlichen Paris, demnächst beginnen wir mit der Programmplanung für die Jazzwerkstatt 2013 … es gibt wirklich ein paar wunderschöne “Schmankerl” auf die ich mich sehr freue.

Malcom Braff und Andreas Schaerer: Jazz made in Switzerland

Malcom Braff (à gauche), Reggie Washington et Lukas Koenig
∞Malcom Braff (à gauche), Reggie Washington et Lukas Koenig ©Suisa

Das Malcolm Braff Trio und Andreas Schaerer’s Hildegard lernt fliegen begeisterten an der jazzahead!-Messe in Bremen das internationale Publikum und zeigten einmal mehr, dass sich Schweizer Jazz im internationalen Vergleich nicht zu verstecken braucht.

Die Fachmesse fand dieses Jahr bereits zum siebten Mal statt und hat sich mittlerweile zu DEM Treffpunkt der europäischen Jazzszene entwickelt. Erfreulich aus Schweizer Sicht war deshalb, dass die Jury gleich zwei Schweizer Bands für eines der begehrten Showcases ausgewählt hatte.

Hildegard lernt fliegen ergatterte sogar einen besonders begehrten Platz am Samstagabend im Kulturzentrum Schlachthof, das zur Prime Time aus allen Nähten platzte. Die Zuschauer waren von der musikalisch eindrucksvollen und ideenreichen Performance begeistert und applaudierten der Band frenetisch.

Das Trio um Malcolm Braff (piano) mit Reggie Washington (bass) und Lukas Koenig (drums) überzeugte am Nachmittag ebenso mit erstaulicher Spielkraft. Ungeheure Energien und phantastische Klangbilder entfalteten sich hier aus kleinsten musikalischen Zellen, die drei Musiker loteten die Grenzen ihrer Instrumente vielfältig aus und kosteten sowohl die Transparenz als auch die Kraft ihrer Musik genüsslich aus. Das routinierte Trio eroberte die Gunst des internationalen Fachpublikums schon vom ersten Stück an – auch ihnen stand nur eine kurze halbe Stunde zur Verfügung. Schliesslich musste Malcolm Braff am selben Abend (wie am Abend zuvor!) auch wieder das heimische Publikum beim Cully Jazz Festival unterhalten… Beide Bands sind auch auf der brandneuen CD-Compilation “jazz made in switzerland, selection 2012/13” vertreten. 

Malcolm Braff Trio, Inside, Enja Records 2011
Hildegard lernt fliegen, Cinéma Hildegard, Unit record 2012