Phall Fatale mit «Moonlit Bang Bang» im Helsinki in Zürich

MINIfot_roland_okon_20140901_070_bSo recht weiss man nicht, wie einem geschieht, wenn man sich Phall Fatales zweites Album «Moonlit Bang Bang» anhört. Da ertönen Klänge, die man so nicht erwartet, geschweige denn einordnen kann. Wenn Phall Fatale all die scheinbar unvereinbaren Elemente in einen Topf wirft, entsteht nicht etwa eine braune, undefinierbare Brühe, nein: Sie erschaffen ein Mosaik aus tausenden Farben – die einzelnen Elemente unterschiedlich, die sich zusammen zu einem prächtigen Kunstwerk vereinen.

Akustische Explosionen, mal minimalistisch, mal wuchtig

Bei all den Klangexperimenten erstaunt es, dass keiner der Songs je überladen wirkt. Die Virtuosität der Musiker zeigt sich in der Umsichtigkeit, mit der die Sache angegangen wird. Weil all den akustischen Explosionen genug Raum gelassen wird, zu wirken, kommen sie erst recht zur Geltung; kein kurzes, gewaltiges BANG, sondern ein stetes Bang-Bang-Bang-Bang… Minimalistisch arrangierte Songs wie «Tree House» oder «Night» vermögen einen gleichermassen wegzublasen wie etwa das wuchtige «Crocodile».

Wer sich nach dieser Beschreibung noch nicht wirklich ein Bild von «Moonlit Bang Bang» machen kann, dem sei als Einstieg «Electric Eel» empfohlen: Die treibenden Beats werden einen nicht mehr loslassen. Und da wäre noch der Song «The Girl, The Beat», welcher uns eindrücklich demonstriert, wie sich ein perfekter Popsong im Jahr 2015 anhören könnte.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=J4bBjXFc59M]

 

Die Vielfältigkeit, welche Phall Fatales Musik so spannend macht, ist wohl auch auf die Besetzung zurückzuführen. Da fanden sich Musiker mit verschiedenen musikalischen Hintergründen: Zum seit vielen Jahren aktiven und in der Jazz-Szene bekannten Schlagzeuger Fredy Studer gesellten sich im Jahr 2008 zwei Sängerinnen, Joy Frempong (OY, Filewile) und Joana Aderi (Sissy Fox, Eiko), und zwei Kontrabassisten, John Edwards (Mulatu Astatke, Robert Wyatt) und Daniel Sailer (Frachter, Pol).

phall-moonlit«Fatale Tage» im Helsinki in Zürich

«Moonlit Bang Bang» erschien am 16. Oktober 2015 auf Qilin Records und Slowfoot Records. An den «Fatalen Tagen» im Helsinki in Zürich vom 4. bis 7. November 2015 – quasi ein Mini-Festival über vier Tage – kann man sich ein Bild davon machen, wie die Songs des neuen Albums live umgesetzt werden. Danach spielen Phall Fatale bis Mitte Januar 2016 Konzerte in verschiedenen Schweizer Städten.

 

CD
Phall Fatale, “Moonlight Bang Bang” (Dist Irascible)

Live
Die aktuellen Konzertdaten von Phall Fatale:
4. November 2015, Helsinki, Zürich, w/ Joy Frempong & Philippe Ehinger
5. November 2015, Helsinki, Zürich, w/ Pol
6. November 2015, Helsinki, Zürich, w/ Fredy Studer, John Edwards
7. November 2015, Helsinki, Zürich, w/ Sissy Fox
2. Dezember 2015, Cinema Sil Plaz, Ilanz
3. Dezember 2015, Le Singe, Biel/Bienne
4. Dezember 2015, Le Nouveau Monde, Fribourg
5. Dezember 2015, Südpol Club, Luzern
6. Dezember 2015, bee-flat, Bern
20. Januar 2016, Le Bourg, Lausanne
21. Januar 2016, Café Mokka, Thun
22. Januar 2016, Kraftfeld, Winterthur
24. Januar 2016, Kaserne, Basel

 

Great Black Waters: «Glow, Sand & Other Songs»

Björn_Coverfoto_Quer_mediumVerwackelte Bilder eines mehrspurigen Highways, aufgenommen auf dem Armaturenbrett eines Autos, das Meile um Meile der untergehenden Sonne entgegenfährt: Das simple Video zu «Sand» könnte die Verbildlichung des ganzen Albums von Great Black Waters sein. «Glow, Sand & Other Songs» fühlt sich an wie eine ziellose Reise unter einem psychedelisch glühenden Himmel – mit den Haaren im warmen Fahrtwind, mit den Gedanken frei.

Dezent verpackt

Irgendwo zwischen den ekstatischen Gitarrenriffs und den erdigen Drums, Akustik- und Bassgitarren schwebt die Stimme von Great Black Waters gleichmässig und teilweise fast schon flüchtig in das Klanggeschehen hinein. Wo andere Musiker versuchen, in der Tiefe verborgene Gefühle bisweilen plump nach aussen zu tragen, verleiht Björn Magnusson, der hinter dem Pseudonym steckt, den Songs mit dezent verpackten Worten Struktur. Seine zurückhaltende Art ist eine erfrischende Abwechslung zur sonst so beliebten Zelebrierung gekünstelter In-Your-Face-Attitüden.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=OpUn_0b4sRA&w=612&h=459]

Brachial und fesselnd

An der Plattentaufe im Helsinki in Zürich blieb Magnusson unverkrampft wortkarg und spielte mit seinen vier Mitmusikern (u.a. Fai Baba) auf der kleinen Bühne ein mächtiges Set; mächtig, weil die verzerrten Gitarrenklänge sich wie eine massive Klangwand vor einem aufbauten. Wo auf dem Album hier und da eine besonnene Leichtigkeit mitschwingt, war der Auftritt grösstenteils geprägt von brachialer, fesselnder Rohheit. Man fand sich manchmal in einer grossartigen Jam-Session wieder.

Great-Black-Waters-©-by-Danny-Hole_Quer1In den diffusen Melodien von «Glow, Sand & Other Songs» verliert man sich schnell und gerne. Mit trockenem Sand in den Haaren blickt man in den rot-blau glühenden psychedelischen Himmel und weiss für einmal die Schönheit des Ungewissen zu schätzen.

«Glow, Sand & Other Songs» erschien am 6. Februar 2015. Great Black Waters spielt am 28. Februar zusammen mit Fai Baba im Albani in Winterthur.

Platte des Monats: Fai Baba «The Savage Dreamer»

FAIBABA_TheSavageDreamer_Cover_2500px_PromoEtwas unerwartet kam die Ankündigung seines aktuellen Albums, denn der Vorgänger «She‘s My Guru» erschien unlängst im Frühling 2013. Ein kurzer Blick auf die Statistik zeigt aber, dass Fabian Sigmund, besser bekannt als Fai Baba, noch nie lange Schaffenspausen eingelegt hat. Sein viertes Album seit 2010 nennt sich «The Savage Dreamer» und ist – ein weiteres Mal – grandios.

50 Minuten Genialität

Abgeklärter und erwachsener kommt das neue Album daher, ohne dass dabei die Leidenschaft und Rohheit abgetötet werden, welche Fai Babas Musik neben seiner charakteristischen Stimme kennzeichnen. Wer all die Feinheiten der Songs erfassen möchte, dem sei empfohlen, sich in ein ruhiges Eckchen zu begeben und sich während knapp fünfzig Minuten ganz der Welt von «The Savage Dreamer» hinzugeben. Auch nach dem zehnten Hördurchgang entdeckt man noch Tonspielereien, die einem vorher nicht aufgefallen sind – was für kleine Glücksmomente sorgt, als hätte man in einem Wimmelbild Walter entdeckt.

 

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Aus der Ferne heulende Gitarren und warnende Orgel- und Basstöne werden beispielsweise bei «Not That Simple» zu einer akustischen Leckerei aufgeschichtet. Auf dem achteinhalb-minütigen «New York City» verkündet Fai Baba eindringlich, dass er nicht nochmals in die Weltmetropole reisen möchte, weil er sich dort einsam fühlte. Der eindrucksvolle Instrumentalteil, der den Grossteil des Songs ausmacht, könnte meinetwegen ewig weitergehen. Ein weiteres Highlight auf dem Album ist der Opener «The Savage Dream»: Fragil und untermalt mit Piano-, Flöten- und Geigenklängen bietet der Song einen wundervollen Kontrast zu den reissenderen Stücken.

Schöner warten

Blues, Folk und Psychedelic Rock verschachtelt Fai Baba gekonnt zu einem faszinierenden Werk, das es sich ausgiebig zu erforschen lohnt. Dem Tatendrang der letzten Jahre nach zu urteilen, schreibt Fai Baba womöglich bereits fleissig neue Songs für das nächste Album. Bis dahin beschert uns «The Savage Dreamer» die wohl schönste Wartezeit auf Erden.

«The Savage Dreamer» ist am 19. September 2014 erschienen (A Tree In A Field Records).

Die nächsten Konzerte:
14.11.2014, Alte Kaserne, Zürich
06.12.2014, L’Écurie, Genève
20.12.2014, Eisenwerk, Frauenfeld

Ein heisser Abend mit Me, Valentin & You

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Bereits durch die schweren, sperrigen Vorhänge hört man, dass im Innern vom Eldorado mehr los ist als auf der menschenleeren Strasse an diesem Sonntagabend. Kaum drinnen zieht mich sogleich eine markante Stimme in den Bann. Auf der Bühne steht die Berner Band Me, Valentin & You – das Konzert hat bereits begonnen. Die Menschen in der vollen Bar in Zürich bewegen sich kaum, was vermutlich an der Hitze liegt – oder am fiesen Kater vom Vorabend. Zumindest auf mich wirkt das abwechslungsreiche Set belebend.

MVY_eldorado_2014Anfänge als Strassenmusiker

Frontmann Valentin Kugler war auf den Strassen von Bern als Solomusiker unterwegs, als er dort auf seine zukünftigen Bandmitglieder traf. So hat man manchmal das Gefühl, dass die Songs durchaus auch ohne Band funktionieren könnten. Allerdings würden dann die Dynamik und Spannung fehlen, welche das perfekte Zusammenspiel der vier Musiker erzeugt. Die Stimme von Kugler wird dadurch in den richtigen Momenten hervorgehoben – eine Stimme, die live kantiger und echter rüberkommt als auf den Aufnahmen.

Nie hoffnungslos

Als der Song «Heading Home» angestimmt wird, komme ich nicht umhin, an das phänomenale «Spanish Sahara» der britischen Band Foals erinnert zu werden. Die atmosphärischen Klänge werden von Kuglers eindringlichen Stimme in einen Refrain geführt, der Licht in die recht düstere Klangwelt bringt. Überhaupt versinken die Lieder nie in übermässigem Schwermut: Ein wenig Hoffnung schimmert stets durch.

[youtube=https://www.youtube.com/watch?v=TQBUqUz296Y]

 

Album «If» für das deutsche Publikum

Nächste Woche macht sich Me, Valentin & You auf, auch die Indie-Herzen in Deutschland zu erobern. Das Album «If» wird dort am 10. Oktober 2014 veröffentlicht. Begleitet wird das Album-Release von einer kleinen Deutschland-Tour, welche die Berner Band in sieben deutsche Städte bringt. Idealerweise kommt man pünktlich zum Konzertbeginn; über meine Verspätung habe ich mich nach dem schönen Konzert im Eldorado arg geärgert.

Daten der Deutschland-Tour:
09.10.14   Haldern Pop Bar, Haldern
10.10.14   Auster-Club
, Berlin
11.10.14   Milla – Live Club
, München
13.10.14   Live Club, Bamberg
14.10.14   Blue Shell
, Köln
15.10.14   Prinzenbar
, Hamburg
16.10.14   Ponyhof
, Frankfurt

Das Album «If» (Oh, Homesick) ist in der Schweiz seit dem 28. März 2014 erhältlich.

Label Suisse : its a global thing…

affiches_basse_def_avec_logos” Ce qui ne tue pas rend plus fort.” Fin 2011, lorsque la Radio Télévision Suisse annonçait son désengagement financier de Label Suisse, le festival bisannuel était donné pour mort. Mais les acteurs musicaux de la scène romande se sont mobilisés : une association est née et l’édition 2012 a pu être assurée.

Grand Prix suisse de musique

En 2014, Label Suisse s’impose désormais comme un vrai rendez-vous multigenres, interrégional et multimédia puisque la plupart des concerts sont rediffusés en direct ou en différé sur les ondes de la RTS. C’est en son sein qu’aura d’ailleurs lieu la première cérémonie de remise du Grand Prix suisse de musique le 19 septembre (100’000 francs au vainqueur, 25’000 francs à chacun des quatorze nominés).

Un nom à réinventer

Julien Gross, président de l’association, explique : « En 2012, nous avons hérité d’un nom, mais tout était à réinventer au niveau de la structure et de l’organisation. Nous avons choisi une approche globale en renforçant l’ouverture vers les musiques jazz et classique. Nous avons également voulu nous affirmer comme un festival national, avec des concerts rediffusés sur les trois chaînes radio romande, suisse-allemande et tessinoise ».

2014

De fait la programmation de l’édition 2014 brille de tous ses feux avec des concerts de jazz à l’Auditorium et l’Atrium de l’EJMA, des concerts classiques à l’Eglise Saint-François ainsi que de la pop, du rock, des musiques électroniques et du hip hop dans les principaux clubs de la ville. Avec une belle brochette de groupes suisses-allemands et tessinois, Label Suisse porte un coup de plus dans une barrière de roesti qui ressemble de plus en plus à un Emmental*…

On ne peut donc que chaudement recommander aux spectateurs lausannois de réserver leur week-end des 19-20 et 21 septembre et aux autres Helvètes de brancher leur poste radio.

Impossible de citer tout le monde, mais voici quelques propositions – totalement subjectives -pour chacune des soirées du festival :

Les extrémistes de Puts Marie et Camilla Sparksss au Bourg le vendredi 19 septembre dès 20 :00

[youtube=https://www.youtube.com/watch?v=wUCpxjWLL_M]

Du très bon hip hop avec Murmures Barbares, Tweek, Rootwords aux Docks le samedi 20 septembre

Du prestige avec la création “Avant l’Aube” Erik Truffaz, Franz Treichler et l’OCL dimanche 21 septembre, en fin de matinée, sur la Place Centrale.

Pour avoir le détail de tous les groupes, rendez-vous sur le site Internet du festival

A vos marques, prêts…

*Je précise aux lecteurs français de ce blog que c’est bien notre Emmental national qui est un fromage à trous et non le Gruyère comme vous continuez de le prétendre…

Dim Grimm / Dimlite & Mir an der Bad Bonn Kilbi

3110_Dim Grimm_1Vor vier Jahren wars, als der kalifornische Super-Produzent The Gaslamp Killer anlässlich des unfassbar verpeilten Konzerts von Gonjasufi im Bad Bonn in Düdingen einen Track des Berners Dimitri Grimm alias Dimlite einspielte – und diesem lokalen Helden so seine Reverenz erwies.

Dimlite versus Balt Mirczok versus Mitsel Quitno

Die Szene war symptomatisch für diesen Künstler, der im Ausland viel bekannter als in seiner Heimat ist. Denn ja, man wusste vom mittlerweile 33-Jährigen, doch blieb er immer im zuweilen auch selbst gewählten Schatten – auch dank weiteren Pseudonymen wie Balt Mirczok oder Mitsel Quitno.

Dabei veröffentlicht Dimitri Grimm seine letzte Platte als Dimlite namens «Grimm Reality» auf Now Again, einem Sub-Label des Vorzeige-Hip-Hop-Hauses Stones Throw, wo seine unglaublich facettenreiche Musik, die zwischen psychedelischen Soundforschungen und verquer produzierten Beats hin und her schlenkert, bestens aufgehoben ist.

Nach seinem Bad Bonn Kilbi-Auftritt im Jahr 2012 kehrt Dim Grimm nun ans Festival zurück – mit einem seiner seltenen Sets, die er hierzulande spielt. Weil: Im Ausland ist dieser Ausnahme-Produzent immer noch weit bekannter.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=wdX5IoSin64&w=640&h=480]

Shock Your Moneymaker

mirDirekt vor Grimm spielt am Schlussabend der diesjährigen Bad Bonn Kilbi die Basler Lärmformation Mir auf, die im Frühling 2013 ihr live eingespieltes Manifest «Shock Your Moneymaker» auf dem Label A Tree In A Field (u.a. Combineharvester & Fai Baba) veröffentlichten.

Perkussionsgewitter, fiepende Analog-Synthesizer, mächtige Bässe, viel Experiment und viel Lust, kurz: hier ist alles da, was das Noise-Herz begehrt.

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Die Bad Bonn Kilbi findet vom 29. bis 31. Mai statt. Infos: wwww.kilbi.badbonn.ch

Puts Marie: «Laut, vulgär und skurril sind unsere Konzerte immer noch»

©joelle Neuenschwander
©joelle Neuenschwander

Max Usata, Sänger der Bieler Band Puts Marie, wanderte 2009 kurzentschlossen nach New York aus. Niemand wusste, was aus Puts Marie wird. Und so suchte man neue Perspektiven. Es entstanden sechs Kinder, ein Gitarrenladen, ja sogar eine Broadway-Karriere. Neue musikalische Projekte wurden in Angriff genommen. Die Ankündigung Ende letzten Jahres, dass Puts Marie ihre EP «Masoch» beim Lausanner Label Two Gentlemen veröffentlichen, kam dann auch unerwartet.

Nun sind sie zurück auf der Bühne: Reifer und mit frischen Songs, die eine neue, ernsthaftere Note einschlagen, ohne dabei auf die Energie ihrer früheren Auftritte zu verzichten. Max Usata erzählt uns von den Veränderungen und den Plänen von Puts Marie.

In einem Interview habt ihr gesagt, dass ihr euch während der Auszeit viel musikalisches Know-how angeeignet habt. So konntet ihr bei der Aufnahme von «Masoch» eine andere Qualität in eure Musik einbringen. Inwiefern beeinflusste dies das Songwriting?

Max Usata: Wir redeten damals von zwei verschiedenen Dingen. Einerseits haben wir das technische Know-how gemeint: Unser Gitarrist Sirup hat sich als Sound Engineer immer mehr Wissen angeeignet, indem er sein Tonstudio immer mehr ausbaute und immer mehr Studio-Aufträge an Land zog. Das hatte einen starken Einfluss auf die Soundqualität. Zudem hatten wir das Glück, Leute wie Jeff Stuart Saltzmann und Dave McNair an Bord holen zu können In der Postproduktion hatten beide einen starken Einfluss auf den Sound von «Masoch», auch wenn die Aufnahmen von Sirup schon sehr gut waren.

Anderseits ist die Band über die Jahre durch Tüfteln und durch viel Spielpraxis immer wieder auf neuen Sound gestossen, vor allem was den des Basses, der Gitarre und der Orgel angeht. Das hört man nun auf der neuen Platte. Sicherlich wurde dabei auch das Songwriting beeinflusst. Die Lieder haben viele Instrumental-Parts, was aus dem neuen Sound hervorgeht.

©Jenna Calderari
©Jenna Calderari

Sind die klanglichen Veränderungen in eurer Musik ein Resultat des abrupten Bruchs im Jahr 2009? Wird das Thema in euren aktuellen Songs überhaupt angesprochen?

Max Usata: Nicht direkt, nein. Eher indirekt. Dass sich jeder danach umorientierte und andere musikalische Projekte verfolgte, hatte am Ende wohl am meisten Einfluss, denke ich. Wir und alle um uns herum wurden älter und reifer, was sich auch in einer grösseren Offenheit gegenüber Neuem, Unsicherem und allem, was vor uns liegt, zeigt.

Ihr beschreibt eure neuen Songs als schwerer, ernsthafter, egoistischer. Es ist nicht mehr das oberste Ziel, die Leute zum Tanzen zu bringen oder Party zu machen. Hat das die Art, wie ihr auf der Bühne Musik macht, verändert?

Max Usata: Das ist schwer zu sagen. Es macht ja immer noch unglaublich viel Spass, auf der Bühne Musik zu machen. Was heisst schon Party machen? Ja, vielleicht ist es schwieriger zu den neuen Songs zu tanzen. Laut, vulgär und skurril sind unsere Konzerte aber nach wie vor. Das klingt für mich eher nach Party als bloss wildes Getanze.

Ihr seid in den letzten Jahren sesshafter geworden. Wie sehen eure Pläne aus? Zieht es euch ins Ausland?

Max Usata: Ins Ausland? Ja, bitte! Unbedingt! Das wird nur eine Frage von guter Organisation sein. In der Vergangenheit haben wir sehr oft im Ausland gespielt und uns liegt viel daran, dies auch weiterhin zu tun. Puts Marie gehört ins Ausland. Sowohl was die Musik als auch die Einflüsse anbelangt, fühlen wir uns dort zu Hause. Wir haben viele Freunde ausserhalb der Schweiz und wollen auch für sie spielen. Es gibt dort andere Bühnen, andere Stimmungen und andere Situationen, die wir mit vielen guten Erinnerungen verbinden. Und nach Japan wollen wir auch!

Die EP «Masoch» ist am 10. Dezember 2013 bei Two Gentlemen erschienen. Am 29. Mai 2014 treten sie an der Bad Bonn Kilbi auf.

Und noch: Neuchâtel, Festi’Neuch am 13. Juni. Zurich, Wipkingen Openair am 20.Juni. Pully, For Noise Festival am 23. August. Orprund, PFF, am 29. August. Tavannes, am Le Royal am 7. November

 

Bit-Tuner: «The Japan Syndrome»

bit-tuner_by_martinrichi_3.jpg__630x400_q80_crop_upscaleMarcel Gschwend ist Bit-Tuner. Seit 1997 produziert der St. Galler, der mittlerweile in Zürich lebt, basslastigen Electro, spannt mit Rappern wie Dani Göldin zusammen, vertont live Stummfilme und spielt Bassgitarre bei Stahlberger, der Band, die mit ihrem dritten Album «Die Gschicht isch besser» auch die Schweizer Hitparaden erobert hat.

Solo veröffentlichte der 36-Jährige zuletzt «The Japan Syndrome», das nun auch auf Vinyl erschienen ist. Es ist nach «The China Syndrome» bereits die zweite Platte, die während seiner Live-Residency im Zürcher Club Helsinki entstanden ist.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=Vz5eC3dKZ2U&w=640&h=360]

Auf «The Japan Syndrome» bringt Bit-Tuner seine Sounds aus seinem stetig anwachsenden elektronischen Gerätepark mit Alltagsgeräuschen zusammen, die er auf seiner Japanreise im Frühling 2013 gesammelt hat. Grossstadtlärm und Vogelgezwitscher treffen auf mächtige Bässe, auf Beats, die sich langsam entwickeln und auf zirpende Höhen.

So entwickelt sich eine eigentümliche Dub-Atmosphäre, die zwischen tiefen Strassenschluchten und Stadtpark und zwischen Club und Schlafzimmer anzusiedeln ist. Bit-Tuner ist auf «The Japan Syndrome» einmal mehr ein überaus einfallsreicher Soundarchitekt, der auch dank seinem Band-Hintergrund weit über die Electro-Landschaft hinausweist.

Bit-Tuner: «The Japan Syndrome» (Hula Honeys)

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=VExkiTt_dtg&w=640&h=360]

 

Bit-Turner Konzerte: 21 May, Rote Fabrik (Zurich), 23 May TabTap (Shaffausen), 24 May, Palace (St.Gallen) und mehr…

Ein kleiner Festivalbericht vom M4Music

SCHWEIZ M4MUSIC 2014Gute Konzerte und interessante Panels: Diese Mischung lockt jedes Jahr Musikfans und Musikschaffende an das M4Music nach Lausanne (erster Festivaltag) und Zürich (zweiter und dritter Festivaltag). Im Rahmen des Festivals findet auch die Demotape Clinic statt, an der die vielversprechendsten Nachwuchskünstler gekürt werden und einen Förderbeitrag erhalten.

An der 17. Ausgabe des M4Music Festivals wurde erstmals der neu gegründete Verband der unabhängigen Musiklabels und -produzenten IndieSuisse vorgestellt. Angeregt wurde dieses Jahr ausserdem der Austausch mit der Kulturmetropole Berlin, wobei für verschiedene Panels Gäste aus der deutschen Hauptstadt zugegen waren. Als «Demo Of The Year» wurde der Song «Somnambulant Cannibal» der Band Conjonctive aus Nyon ausgezeichnet.

Erstmals Konzerte unter freiem Himmel

Das M4Music bot auch dieses Jahr ein spannendes Konzertprogramm. Auf fünf Bühnen in und um dem Schiffbau in Zürich stellten Schweizer und internationale Acts ihre Songs vor. Für den letzten Festivaltag machte ich mir ein dichtes Programm zurecht; die Konzerte des Vortages hatte ich bedauerlicherweise verpasst. Der Auftritt von Broken Bells war als Krönung des Festival-Samstags eingeplant.

Um 16.30 Uhr bestritt Milchmaa als zweiter Act an diesem Samstag ein Konzert auf der Bühne vor dem Schiffbau – die erste Openair-Bühne am M4Music, wo die Auftritte zudem noch gratis zu bestaunen waren. Der sympathische Rapper aus Chur war ziemlich geduldig mit dem Publikum, das auf die Animationsversuche eher zurückhaltend reagierte, die Show aber dennoch aufmerksam verfolgte. Anschliessend betrat die aus Russland stammende Tessinerin Ekat Bork die Bühne – und zog sogleich die Aufmerksamkeit der Zuhörer mit ihrer starken Stimme und ihrer exzentrisch-expressiven Art auf sich.

Viele spannende Acts am Abend

Eine enorme Bühnenpräsenz legten auch The Rambling Wheels an den Tag. Mit fadengeradem Rock lockten die vier Neuenburger die Festivalbesucher in die anfangs ziemlich leere Halle des Schiffbaus. Musikalisch durchaus abwechslungsreich brachten sie die vordersten Reihen schnell zum Tanzen.

Um halb elf begann das Konzert von The Lonesome Southern Comfort Company (schwieriger Name, man sagte dann jeweils: «Ich gehe noch ans Konzert der Southern Comfort irgendwas da…»). Geblieben bin ich nur für zweieinhalb Songs, aber nicht etwa, weil sie nicht gefielen. Im Gegenteil: Die folkigen Lieder liessen mich in Entzückung mitschwanken. Den Bandnamen konnte ich mir danach merken. Aber meine Helden namens Broken Bells würden gleich auftreten.

So stand ich nun vor der Halle, einige Minuten vor dem Konzert der amerikanischen Headliner. Die Schlange bewegte sich nicht vorwärts. Es vergingen Minuten und die Band hatte bereits losgelegt, in der Schlange war ich aber kaum vorwärts gekommen. So beschloss ich schliesslich, mich von dem Gedanken zu verabschieden, Broken Bells an diesem Abend noch zu sehen. Einen letzten Blick warf ich noch durch die offene Tür in die grosse Halle und glaubte für einen Moment, James Mercer auf der Bühne erblickt zu haben. Vermutlich war es nur ein Becher Bier, das begeistert in die Höhe gestreckt wurde.

Verärgert über mein eigenes Zeitmanagement zog es mich Richtung Exil. Glass Animals standen nun auf dem Programm. Und sie begeisterten. Musikalisch einwandfrei gab die junge Band aus Grossbritannien ihrer teils distanziert wirkenden Musik ein Gesicht. Das Publikum fiel in Ekstase und tanzte – auf ähnliche Weise wie Ekat Bork einige Stunden zuvor auf dem Schiffbauplatz. Dieses Konzert war genug Entschädigung für das verpasste Konzert von Broken Bells.

 Auch nächstes Jahr der Treffpunkt für die Schweizer Independent-Musik-Szene

Kurz vor zwei Uhr verabschiedete ich mich von der tanzenden Menge beim Bonaparte-Konzert. Durch das wunderschöne Foyer des Schiffbaus schlendernd stellte ich fest, dass das Musikprogramm am M4Music auch dieses Jahr sehr ansprechend war. Immerhin hielt es mir sofort eine würdige Alternative für das verpasste Broken Bells-Konzert bereit.

Eine spannende Konferenz, die ungemein wertvolle Demotape Clinic und gute Konzerte gibt es nächstes Jahr wieder vom 26. bis 28. März 2015 in Zürich und Lausanne.

Just released: Heidi Happy «Golden Heart»

heidi-happy-golden-heartSie wühlte einst in der loopenden Folk-Wunderkiste, gab sich auf «Hiding with the Wolves» ein orchestrales Kleid und zeigte sich auf ihrem letzten Album «On the Hills» zuletzt countryinfiziert. Nun hat die Multiinstrumentalistin Priska Zemp alias Heidi Happy für ihr neues Album «Golden Heart» eine neue, prominent besetzte Pop-Band zusammengestellt, die ihr bei den neuerlichen musikalischen Abenteuerfahrten zur Seite steht.

Und diese Reisen führen die 34-jährige Luzernerin in die verspielte Disco, wo die geschickte Arrangeurin scheue Tänze wagt, man sieht vorüberziehende Neonlichter im schwer schnaufenden «Across the Ocean», cruist durch die und es gibt, wie bei Heidi Happy üblich, auch Nonsense-Nummern wie der pfeifende «The Whistle Song».

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=te7XhkJVs3Q&w=640&h=360]
«La Danse»

Ephrem Lüchinger an den Keyboards, Baptiste Germser am Horn und anderen Instrumenten und der Legendary-Lightness-Schlagzeuger Domi Huber folgen Heidi Happy überall hin – auch in das zarte «Maintenant», das diese ausgesprochene Pop-Platte schön beschliesst.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=AzXzNC2GiJA&w=640&h=360]
«Down Town»

Im Frühling gibt Heidi Happy mit ihrer Band auf Tour durch die hiesigen Clubs – und wagt für sechs Solo-Konzerte auch den Abstecher nach Russland. Alle Daten finden sich hier.