Phall Fatale mit «Moonlit Bang Bang» im Helsinki in Zürich

MINIfot_roland_okon_20140901_070_bSo recht weiss man nicht, wie einem geschieht, wenn man sich Phall Fatales zweites Album «Moonlit Bang Bang» anhört. Da ertönen Klänge, die man so nicht erwartet, geschweige denn einordnen kann. Wenn Phall Fatale all die scheinbar unvereinbaren Elemente in einen Topf wirft, entsteht nicht etwa eine braune, undefinierbare Brühe, nein: Sie erschaffen ein Mosaik aus tausenden Farben – die einzelnen Elemente unterschiedlich, die sich zusammen zu einem prächtigen Kunstwerk vereinen.

Akustische Explosionen, mal minimalistisch, mal wuchtig

Bei all den Klangexperimenten erstaunt es, dass keiner der Songs je überladen wirkt. Die Virtuosität der Musiker zeigt sich in der Umsichtigkeit, mit der die Sache angegangen wird. Weil all den akustischen Explosionen genug Raum gelassen wird, zu wirken, kommen sie erst recht zur Geltung; kein kurzes, gewaltiges BANG, sondern ein stetes Bang-Bang-Bang-Bang… Minimalistisch arrangierte Songs wie «Tree House» oder «Night» vermögen einen gleichermassen wegzublasen wie etwa das wuchtige «Crocodile».

Wer sich nach dieser Beschreibung noch nicht wirklich ein Bild von «Moonlit Bang Bang» machen kann, dem sei als Einstieg «Electric Eel» empfohlen: Die treibenden Beats werden einen nicht mehr loslassen. Und da wäre noch der Song «The Girl, The Beat», welcher uns eindrücklich demonstriert, wie sich ein perfekter Popsong im Jahr 2015 anhören könnte.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=J4bBjXFc59M]

 

Die Vielfältigkeit, welche Phall Fatales Musik so spannend macht, ist wohl auch auf die Besetzung zurückzuführen. Da fanden sich Musiker mit verschiedenen musikalischen Hintergründen: Zum seit vielen Jahren aktiven und in der Jazz-Szene bekannten Schlagzeuger Fredy Studer gesellten sich im Jahr 2008 zwei Sängerinnen, Joy Frempong (OY, Filewile) und Joana Aderi (Sissy Fox, Eiko), und zwei Kontrabassisten, John Edwards (Mulatu Astatke, Robert Wyatt) und Daniel Sailer (Frachter, Pol).

phall-moonlit«Fatale Tage» im Helsinki in Zürich

«Moonlit Bang Bang» erschien am 16. Oktober 2015 auf Qilin Records und Slowfoot Records. An den «Fatalen Tagen» im Helsinki in Zürich vom 4. bis 7. November 2015 – quasi ein Mini-Festival über vier Tage – kann man sich ein Bild davon machen, wie die Songs des neuen Albums live umgesetzt werden. Danach spielen Phall Fatale bis Mitte Januar 2016 Konzerte in verschiedenen Schweizer Städten.

 

CD
Phall Fatale, “Moonlight Bang Bang” (Dist Irascible)

Live
Die aktuellen Konzertdaten von Phall Fatale:
4. November 2015, Helsinki, Zürich, w/ Joy Frempong & Philippe Ehinger
5. November 2015, Helsinki, Zürich, w/ Pol
6. November 2015, Helsinki, Zürich, w/ Fredy Studer, John Edwards
7. November 2015, Helsinki, Zürich, w/ Sissy Fox
2. Dezember 2015, Cinema Sil Plaz, Ilanz
3. Dezember 2015, Le Singe, Biel/Bienne
4. Dezember 2015, Le Nouveau Monde, Fribourg
5. Dezember 2015, Südpol Club, Luzern
6. Dezember 2015, bee-flat, Bern
20. Januar 2016, Le Bourg, Lausanne
21. Januar 2016, Café Mokka, Thun
22. Januar 2016, Kraftfeld, Winterthur
24. Januar 2016, Kaserne, Basel

 

Great Black Waters: «Glow, Sand & Other Songs»

Björn_Coverfoto_Quer_mediumVerwackelte Bilder eines mehrspurigen Highways, aufgenommen auf dem Armaturenbrett eines Autos, das Meile um Meile der untergehenden Sonne entgegenfährt: Das simple Video zu «Sand» könnte die Verbildlichung des ganzen Albums von Great Black Waters sein. «Glow, Sand & Other Songs» fühlt sich an wie eine ziellose Reise unter einem psychedelisch glühenden Himmel – mit den Haaren im warmen Fahrtwind, mit den Gedanken frei.

Dezent verpackt

Irgendwo zwischen den ekstatischen Gitarrenriffs und den erdigen Drums, Akustik- und Bassgitarren schwebt die Stimme von Great Black Waters gleichmässig und teilweise fast schon flüchtig in das Klanggeschehen hinein. Wo andere Musiker versuchen, in der Tiefe verborgene Gefühle bisweilen plump nach aussen zu tragen, verleiht Björn Magnusson, der hinter dem Pseudonym steckt, den Songs mit dezent verpackten Worten Struktur. Seine zurückhaltende Art ist eine erfrischende Abwechslung zur sonst so beliebten Zelebrierung gekünstelter In-Your-Face-Attitüden.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=OpUn_0b4sRA&w=612&h=459]

Brachial und fesselnd

An der Plattentaufe im Helsinki in Zürich blieb Magnusson unverkrampft wortkarg und spielte mit seinen vier Mitmusikern (u.a. Fai Baba) auf der kleinen Bühne ein mächtiges Set; mächtig, weil die verzerrten Gitarrenklänge sich wie eine massive Klangwand vor einem aufbauten. Wo auf dem Album hier und da eine besonnene Leichtigkeit mitschwingt, war der Auftritt grösstenteils geprägt von brachialer, fesselnder Rohheit. Man fand sich manchmal in einer grossartigen Jam-Session wieder.

Great-Black-Waters-©-by-Danny-Hole_Quer1In den diffusen Melodien von «Glow, Sand & Other Songs» verliert man sich schnell und gerne. Mit trockenem Sand in den Haaren blickt man in den rot-blau glühenden psychedelischen Himmel und weiss für einmal die Schönheit des Ungewissen zu schätzen.

«Glow, Sand & Other Songs» erschien am 6. Februar 2015. Great Black Waters spielt am 28. Februar zusammen mit Fai Baba im Albani in Winterthur.

Platte des Monats: Fai Baba «The Savage Dreamer»

FAIBABA_TheSavageDreamer_Cover_2500px_PromoEtwas unerwartet kam die Ankündigung seines aktuellen Albums, denn der Vorgänger «She‘s My Guru» erschien unlängst im Frühling 2013. Ein kurzer Blick auf die Statistik zeigt aber, dass Fabian Sigmund, besser bekannt als Fai Baba, noch nie lange Schaffenspausen eingelegt hat. Sein viertes Album seit 2010 nennt sich «The Savage Dreamer» und ist – ein weiteres Mal – grandios.

50 Minuten Genialität

Abgeklärter und erwachsener kommt das neue Album daher, ohne dass dabei die Leidenschaft und Rohheit abgetötet werden, welche Fai Babas Musik neben seiner charakteristischen Stimme kennzeichnen. Wer all die Feinheiten der Songs erfassen möchte, dem sei empfohlen, sich in ein ruhiges Eckchen zu begeben und sich während knapp fünfzig Minuten ganz der Welt von «The Savage Dreamer» hinzugeben. Auch nach dem zehnten Hördurchgang entdeckt man noch Tonspielereien, die einem vorher nicht aufgefallen sind – was für kleine Glücksmomente sorgt, als hätte man in einem Wimmelbild Walter entdeckt.

 

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Aus der Ferne heulende Gitarren und warnende Orgel- und Basstöne werden beispielsweise bei «Not That Simple» zu einer akustischen Leckerei aufgeschichtet. Auf dem achteinhalb-minütigen «New York City» verkündet Fai Baba eindringlich, dass er nicht nochmals in die Weltmetropole reisen möchte, weil er sich dort einsam fühlte. Der eindrucksvolle Instrumentalteil, der den Grossteil des Songs ausmacht, könnte meinetwegen ewig weitergehen. Ein weiteres Highlight auf dem Album ist der Opener «The Savage Dream»: Fragil und untermalt mit Piano-, Flöten- und Geigenklängen bietet der Song einen wundervollen Kontrast zu den reissenderen Stücken.

Schöner warten

Blues, Folk und Psychedelic Rock verschachtelt Fai Baba gekonnt zu einem faszinierenden Werk, das es sich ausgiebig zu erforschen lohnt. Dem Tatendrang der letzten Jahre nach zu urteilen, schreibt Fai Baba womöglich bereits fleissig neue Songs für das nächste Album. Bis dahin beschert uns «The Savage Dreamer» die wohl schönste Wartezeit auf Erden.

«The Savage Dreamer» ist am 19. September 2014 erschienen (A Tree In A Field Records).

Die nächsten Konzerte:
14.11.2014, Alte Kaserne, Zürich
06.12.2014, L’Écurie, Genève
20.12.2014, Eisenwerk, Frauenfeld

The Legendary Lightness – auf einen Sprung zum nördlichen Nachbarn

TLL_Promo_Print_hochWas fesselt mich an The Legendary Lightness? Als eines Abends aus meinen Ohrstöpseln eines ihrer Lieder ertönte, während ich mich durch die Menschenmenge kämpfte, bekam ich eine Ahnung: Obwohl die Songs zurückhaltend daherkommen, vermochten sie mich inmitten dieser hektischen Szenerie vollends einzunehmen. Die Musik fühlt sich leicht an, aber keinesfalls belanglos oder leer.

Die Bodenhaftung der Songs erkennt man auch beim Sänger der Zürcher Band wieder. In einem Artikel im Tages-Anzeiger wurde Daniel Hobi zitiert: «Ich bin keiner von diesen Musikern, für die nur zählt, was im Ausland läuft. Ich finde es sehr wichtig, was hier mit uns passiert.» Trotzdem würden sie gerne öfters Konzerte im Ausland geben.

In Deutschland kennt man sie bereits. Erst letzten Monat war die Band für drei Konzerte dort; am Sonntag, 6. Oktober kehren sie nach dem offiziellen Deutschland-Release ihres selbstbetitelten Zweitlings, der bei uns bereits im Februar erschien, für sieben weitere Auftritte nach Deutschland zurück.

Man wünscht der Band noch mehr Interesse aus dem Ausland, auch wenn es für sie nicht das Wichtigste ist.

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Konzertdaten:

06/10/2013: Göttingen (D) / Pools

07/10/2013: Münster (D) / Pension Schmidt

08/10/2013: Dresden (D) / Societätstheater

09/10/2013: Hamburg (D) / Hasenschaukel

10/10/2013: Bremen (D) / Kulturbunker

11/10/2013: Berlin (D) / Salon Remise

12/10/2013: Berlin (D) / Donau 115

 

 

 

 

Les clips de deux artistes Swiss Vibes récompensés M4Music

Rusconi et La Fanfare Kadebostany, deux artistes qui figurent sur la compilation Swiss Vibes 2, ont remporté respectivement le prix du jury et celui du public du “Best Swiss Video Clip”. Tous deux ont été projetés ce soir aux Docks de Lausanne, lors de l’ouverture du M4Music Festival.

Le concours était organisé en collaboration avec les Journées de Soleure, le jury était présidé par le réalisateur parisien Tony T.Datis, auteur de clips pour Skrillex, Modeselektor et Katy Perrry. Les autres membres du jury étaient le réalisateur lausannois Laurent Fauchère et la productrice et rédactrice musicale zurichoise Eliane Laubscher.

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Les réalisateurs du clip “Alice in The Sky”de Rusconi sont Jonas Meier et Mike Raths. Ils ont été salué pour leur inventivité, savoir-faire et visions poétique.

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Les réalisateurs du clip “Walking With A ghost” de la Fanfare Kadebostany sont David Houncheringer, Steven Blatter, Mirko Eremita. Ce prix du public a été décerné au moyen d’un vote en ligne de 3500 personnes sur la plateforme mx3. Les deux lauréats empochent chacun 5000.-

Le festival M4Music  lieu ce soir à Lausanne et vendredi et samedi à Zurich. Défileront entre autres dans les clubs de la capitale économique de la Suisse, Oy, La Gale, Velvet Two Stripes, Domi Chansorn et Evelinn Trouble.

Grenzenlos – Ein Festival rund um das Piano, von Beethoven über Boulez bis Monk

Das Piano-PAM Festival (Platz für andere Musik) geht dieses Jahr in die Zweite Runde. Vom  16.11. – 18.11.12 dreht sich in Uster alles um das Piano. Eintönig? Im Gegenteil. Der Schlagzeuger und Gründer des PAM Festivals Lucas Niggli erklärt uns, warum gerade ein Festival in dieser Form ein besonders grosses Entdeckungspotential birgt und zu einem erfrischenden Kulturerlebnis wird.

Während das PAM Festival 2010 zum ersten Mal stattfand, veranstaltest du ebenfalls unter dem Namen PAM aber schon seit über 9 Jahren Konzerte in Uster. Eine Konzertreihe die du selbst ins Leben gerufen hast. Was war der Ursprungsgedanke dafür?

Lucas Niggli: Zum einen liegt dies am musikalischen Angebot In Uster. Wir haben zwar den Jazzclub und die Kulturgemeinschaft Uster, die beide regelmässig Konzerte veranstalten, allerdings jeweils in Bereichen, die mich nicht immer interessieren. Zum anderen hatte ich neben meinem Atelier den “Qbus” (ein altes Kino, welches heute leider nicht mehr besteht), ein Ort also, der für solche Anlässe perfekt geschaffen war. Als Musiker reise ich viel in der Welt herum, wobei ich auch immer sehr interessante Leute treffe. Mit dem „”Qbus”“ hab ich einen Raum gefunden, um diese Leute nach Uster zu bringen. Ein Experimentierfeld, ein Spielplatz um Sachen auszuprobieren, und Grenzen zu überschreiten. Aber natürlich hab ich auch darum die Konzertreihe PAM gegründet, um meiner Community hier in Uster etwas zurück geben zu können, von dem was ich auf all meinen Reisen erlebe.

Dass ich das Konzerprogramm jeweils voll und ganz nach meinem Geschmack gestalten konnte und kann, liegt natürlich auch daran, dass ich die Musiker alle persönlich kenne, mit ihnen zusammen arbeite, was natürlich ein grosser Vorteil ist. Dass die Konzertreihe PAM allerdings bis heute andauert – mittlerweile haben wir schon über 44 Konzerte veranstaltet, jeweils ca. 4 pro Jahr – hätte ich mir damals allerdings nicht erträumt.

Als ich vor über 10 Jahren damit begonnen habe, war alles noch sehr im Low Budget Bereich. Die ersten beiden Jahre habe ich sogar noch draufgelegt, aber meine Frau ,die mich dabei immer unterstützte, meinte jeweils: ” Andere gönnen sich teure Weine oder Essen oft auswärts und wir leisten uns eben die Konzerte.”

Das Piano PAM Festival findet dieses Jahr bereits zum zweiten Mal,nach der Erstausführung im Jahre 2010 statt. Was hat dich dazu bewogen, nebst der Konzertreihe noch ein Festival zu lancieren?

Lucas Niggli: Der Ursprungsgedanke war eigentlich der, dass ich so viele interessante Pianisten gerne nach Uster geholt hätte, dies aber nie möglich war, da es im “”Qbus” ” keinen Flügel hatte. Diesen jeweils für ein einziges Konzert zu mieten, hätte sich finanziell nicht gelohnt. Für ein 3-tägiges Festival allerdings schon und so beschloss ich deshalb ein Festival zu gründen, bei dem das Piano im Zentrum steht. Das Piano war also der ausschlaggebende Punkt. Die erste Ausgabe des Piano-PAM Festivals im Jahre 2010 kam dann so gut beim Publikum an, dass ich dachte, komm das mach ich wieder.

Mit den ebenfalls im Kanton Zürich stattfindenden Festivals Taktlos und Unerhört, gibt es ja bereits Veranstaltungen mit einer ähnlichen Ausrichtung. Inwiefern unterscheidet sich da das PAM Festival von den anderen?

Lucas Niggli: Da unterscheidet sich sehr viel. Zum einen nur schon die Geschichte und die Grösse der Festivals. das Taktlos ist ein Festival mit internationalem Renommée und war in der Schweiz ein wichtiger Impulsgeber für Neue Musik vor allem in den 80er  – und 90er Jahren . Allerdings hat das Taktlos in den letzten Jahren eine Krise durchgemacht, weshalb es etwas an Relevanz verloren –  und mit dem Unerhört Festival starke Konkurrenz erhalten hat, was wiederum auch dem  Taktlos gut tut . Die Festivals bemühen sich vermehrt um Profil und das hat einen positiven Effekt auf die Programmation. Während das Taktlos sich vor allem auf die improvisierte Musik im Zusammenhang mit Jazz und Rock fokussiert, dreht sich beim „Piano – PAM“ alles um ein Instrument und kennt dabei keine stilistischen Grenzen. Ein Festival bei welchem an einem Abend Musik von Thelonious Monk, Beethoven und Pierre Boulez zu hören ist, das muss man in der Schweiz sicherlich suchen.

Auf welche Leckerbissen dürfen wir uns ganz speziell bei dieser Ausgabe des PAM Festivals freuen?

Lucas Niggli: Persönlich freue ich mich sehr auf den Zürcher Pianisten Stefan Wirth, der Musik von Beethoven und Pierre Boulez spielen wird und natürlich Alexander von Schlippenbach, eine grosse Legende des Freejazz in Europa. Dass diese zwei Pianisten den gleichen Abend bestreiten ist sehr toll. Ich als Konsument wünschte mir mehr oder zumindest regelmässiger solche Abende. Aber dies ist ja auch mit ein Grund weshalb ich das PAM Festival veranstalte. Ich mache mir dabei selbst ein Geschenk, in dem ich ein Programm zusammenstelle mit Musik von Komponisten, die ich am liebsten höre. Also Thelonious Monk, Pierre Boulez und Ludwig van Beethoven.

Findest du, dass es in der Schweiz genügend Platz für andere Musik gibt, gerade in der freien Improvisation?

Lucas Niggli: Nein, es gibt nie genügend solche Orte. Aber dies hat auch gewisse Vorteile. So müssen sich die jungen Musiker aus der Not heraus selber ihre Plattformen schaffen. Die jüngere Schweizer Generation macht dies anhand des Beispiels der Jazzwerkstatt in Bern. Eine Bewegung, die im übrigen in ganz Europa stattfindet. Sie definieren sich so ihren ganz eigenen Spielplatz. Wenn du etwas selber aufziehst, in deiner Szene, deinem Umfeld, kannst du es so gestalten und prägen, wie du es möchtest und das, gehört auch zur künstlerischen Arbeit und Identität eines Musikers. Es steckt zwar jeweils viel Arbeit, dahinter, ist aber zugleich auch sehr befriedegend. Ich kann gleichzeitig Gastgeber sein – was ich als ein sehr schönes Gefühl empfinde – und die Musik aufführen und spielen, die ich möchte.

Ich glaube auch, dass in einem Konzertbetrieb wie das PAM ihn führt, eine interessante Zukunft steckt. Heute hören oder konsumieren die Leute ein viel breiteres Musikangebot als früher. Warum aber führt man Musik meistens nur in den dafür traditionsgemäss üblichen Räumlichkeiten auf? Wie z.b. Beethoven nur in der Tonhalle, Boulez nur im Kontext von Neuer Musik, oder Monk nur in einem Jazzclub? Diese Tradition zu brechen ist mir ebenfalls ein grosses Anliegen. Und darum geht es bei PAM auch, in dem man Traditionen, Vorstellungen und Gewohnheiten aufbricht.

Das PAM Festival findet vom 16.11.12 – 18.11.12 in Uster statt. Die Konzerte beginnen jeweils um 20:30 Uhr. Eintrit 20.-/30.-

Ingrid Lukas: coeur à choeur

Quand on entend pour la première fois la voix d’Ingrid Lukas, on peine à la situer dans la panorama suisse: onirique, évanescente, elle prend parfois les contours d’une langue incompréhensible (du romanche? Une langue inventée?). On pense à Björk avec un ancrage acoustique, jazz ou traditionnel et parfois même classique. L’explication est simple. Ingrid Lukas est née en Estonie et réside en Suisse depuis l’âge de 10 ans. De sa terre d’origine, elle a gardé le goût du chant. En Suisse, elle a peaufiné ses talents de pianiste classique et de composition au conservatoire de Zurich. Elle rencontre le musicien Nik Bärtsch alors qu’elle vient de finir ses études. Celui que l’on a étiqueté Monsieur «zen-funk» (!) lui offre son premier enregistrement sur son label.

Aujourd’hui, Ingrid Lukas vient de terminer son deuxième CD avec son propre chœur et des cordes. Le désormais incontournable Valgeir Sigurösson (arrangeur du dernier disque d’Olivia Pedroli, mais surtout de Björk, Coco Rosie…) y a dirigé les opérations. Ingrid Lukas nous résume ses choix en trois questions.
En quoi votre nouvel album est différent du précédent?
Ingrid Lukas. J’ai fait «We Need to Repeat» alors que j’étais très jeune. Un premier album est un point de départ pour un artiste. On y va et on regarde ce qui se passe. Ce n’est pas un acte très réfléchi. La seule chose qui me préoccupait alors était de ne pas trop «charger» le disque. En allemand on dit: «wenig ist genug». Pour le deuxième CD, j’avais plus d’idées. L’été dernier, j’ai été mandatée par la ville de Zurich pour un projet original qui devait avoir lieu pendant l’été. J’ai alors décidé de monter mon propre chœur et de travailler avec des cordes. Mon nouvel album s’inscrit dans la continuité de ce projet.
Pourquoi avoir voulu travailler avec un chœur?
Ingrid Lukas. Je m’inspire beaucoup de la musique de mon pays. L’Estonie n’est indépendante que depuis 1991. La culture détient une place très importante dans notre société. Nous sommes un peuple de chanteurs. D’ailleurs, ma mère chante dans mon chœur. Quand j’ai commencé à écrire de la musique pour chœur et à l’intégrer dans ma musique, j’ai trouvé ça très passionnant. Parfois je réarrange des morceaux traditionnels, mais le plus souvent j’écris ma propre musique que je chante en anglais et en estonien.
Votre musique évoque un univers aux confins de la réalité et de l’imaginaire. Comment l’avez-vous élaboré?
Ingrid Lukas. Je compose mes propres chansons depuis que je suis adolescente. A un âge où on se pose beaucoup de questions. Composer m’a permis de formuler des choses que je ressentais plus ou moins inconsciemment. Mon inspiration me vient toujours du cœur. Je raconte des histoires de tous les jours qui font état de ce que je vois et je sens. Et ces histoires me conduisent souvent vers un monde imaginaire.

La prochain album d’Ingrid Lukas paraîtra chez Universal. Vernissage du CD à Zurich, Club Exil, le 28 octobre. A Mannheim, Enjoy Jazz Festival (D), le 31 octobre. A Graz (A), le 2 novembre. Tournée estonienne du 24-28 novembre. Infos www.ingridlukas.com